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Die Wahrheit über “Bücherfechten”

Samstag, 5. Dezember 2009 23:39

Als vor etlichen Jahren John Clements (und Hank Reinhard), die beide niemals eine Fechthalle von innen gesehen hatten und niemals irgendeine Fechtart erlernt hatten, begannen, selbst erfundenes Zeugs in Form von Kursen (und den dazugehörigen Schwertern) zu verkaufen, stand Clements vor dem Problem, dass er keine Ahnung hatte.
Folglich nahm damals niemand, der was von der Materie verstand, ihn ernst.
Clements  erfand dann das Märchen von den angeblich verlorenen Fechttechniken des Mittelalters und der Renaissance (was wie gesagt nichts als ein Märchen ist) und erfand selber etwas, bei dem er sich vermutlich einige Fotokopien von Büchern anschaute, die er für alte Fechtbücher hielt, und dann die dort zu sehenden Körperhaltungen nachstellte. Das nannte er dann “historisches Fechten” und ging damit hausieren. Er gründete sogar einen (im Internet viel beachteten) Dachverband dazu. Und verkaufte Kurse, Graduierungen – und seine Bücher sowie Reinharts Schwerter.
In der damaligen Fechtszene in den 1970er und 80er Jahren, auch der historischen die es damals sehr wohl schon lange gab, nahm ihn niemand für voll, weil das erkennbar unsinniges Zeugs war/ist. Aber dann kam das Internet. Und damit verbreitete sich dieser grobe Unfug weltweit.
Heute ist diese Desinformation derart weit verbreitet, dass auch bei uns in Deutschland der von Clements verursachte Schwachsinn vorbehaltlos geglaubt und nachgebetet wird.
Da wird munter von “Albrecht Dürers Fechtbuch” geredet, ohne zu bemerken, dass es erst im Jahr 1910 veröffentlicht wurde und vorher NIE herausgegeben worden war.
Selbst die abolute Idiotie von Studer’s ‘Das Solothurner Fechtbuch’ , angeblich aus dem 15. Jahrhundert, taucht immer noch in Internetforen und im Gespräch mit “Buchfechtern” auf. Idiotie? Ja klar: denn Herr Studer müsste dann etwa 500 Jahre alt sein. Er lebt nämlich noch.
Das Ganze ist ein einziger Irrsinn.

Fakt hingegen ist: die historischen Fechttechniken haben bis heute überlebt. Man findet sie bloß nicht im Fechtclub um die Ecke, man muss schon sehr tief in die Materie einsteigen. Was jahrelanges, ja, jahrzehntelanges ständiges Trainieren und Suchen nach weiteren Meistern bedeutet, die das (noch) können. Es gibt sie. Man muss nur wissen, wo.
Sicherlich kann man sich (und soll man sich) zusätzlich auch noch an historischen Fechtbüchern halten. Ein Gegencheck anhand dieser Quellen ist oftmals hilfreich. Aber auch nur dann, wenn sichergestellt ist, dass es sich WIRKLICH um Fechtbücher handelt. Und nicht um Anleitungen fürs Jahrmarktfechten, um künstlerisch-anatomische Stilstudien bei denen die Fechtaktionen nebensächlich waren, oder um Schriften, die erst vor wenigen Jahren o. Jahrzehnten erstmals veröffentlicht wurden und in der Vergangenheit niemals von irgendwem gelesen oder auch nur beachtet wurden.

Und am wichtigsten: jede Technik, egal woher, benötigt den Reality-Check. Funktioniert das im Sparring, im freien Kampf ohne Absprache? Wenn nicht, dann ist die Technik, auch wenn sie im Buch noch so toll aussehen mag, unsinnig.

Man höre bitte auf mit dem “Fechten nach Talhoffer” oder so, das ist nichts weiter als Augenwischerei, fernab jeder fechterischen oder historischen Realität.

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